Bermontis
Wirtschaft

Eine erfolgreiche Schnapsidee

Bermontis ist ein fruchtiger Kräuterlikör mit 27 Volumenprozent Alkohol. Der Kräuterlikör wird gekühlt, in der Regel als Aperitif, Digestif, mit oder ohne Eis, getrunken. Er lässt sich auch mit Kaffee und viel Schlagrahm geniessen. Der fruchtige Kräuterlikör wird auf einem Bauernhof in Wattwil von Hand abgefüllt. Seit Januar 2019 ist Bermontis auf dem Markt. Das Jahresziel von 800 Flaschen wurde bereits im Frühling erreicht.

Von Hand etikettiert

Robert Häne, hält eine Flasche unter eine Abfüllmaschine. Der goldorange Likör fliesst. Nach einigen Augenblicken ist die Flasche voll. Er greift nach einem Korken, den er in die Flasche stöpselt. Daniel Egli übernimmt die abgefüllte Flasche. Er stülpt eine Schrumpfkapsel über den Korken und hält den Flaschenhals mit der Schrumpfkapsel in ein aufgeheiztes Anschrumpfgerät. Durch die Hitze zieht sich der Sicherheitsverschluss zusammen. Nun fehlt noch das Etikett und der Siegel. Robert Häne demonstriert, wie jede Etikette von Hand auf die Flasche geklebt wird. Ganz sorgfältig bringt er die runde Etikette mit dem Gesicht des heiligen Bernhards von Menthon auf der Flasche an.

Bernhard ist der Schutzpatron der Alpinisten und Bergbewohner. «Der Name Bermontis leitet sich von Bernhard und Montis, dem lateinischen Wort für Berg, ab», erklärt er, während er einen Stoffbändel um den Flaschenhals legt und ihn mit einem Siegel befestigt. In einer Ecke stapeln sich zusammengefalteten Flaschen-Kartons bis fast unter die Decke. Die fertig abgefüllten und etikettierten Flaschen verschwinden in auseinandergefaltete Sechserkartons. 

Es herrscht Betrieb an diesem Samstagmorgen. Robert Häne und Daniel Egli haben im umgebauten Pferdestall auf dem Bauernhof der Familie Häne auf dem Vorderen Schönenberg in Wattwil viel zu tun. Es sind Bestellungen für Bermontis eingegangen. Jede Flasche wird von Hand abgefüllt. Der Raum ist nicht sehr gross. Wer weiss, wie lange er noch den Ansprüchen genügt. Im Moment tut er es noch. Der Kräuterlikör ist bereits in zahlreichen Getränkemärkten und Landis und sogar auf Galaxus.ch zu kaufen. Und er ist auf Erfolgskurs: Am Swiss Crafts Spirits Festival, welches Mitte Oktober 2019 in Basel stattfand, gewann Bermontis den Visitor’s Choice Award in der Kategorie Likör & Vieille. Nachfrage ist da, Nachschub erforderlich. 

«Der Name Bermontis leitet sich von Bernhard und Montis, dem lateinischen Wort für Berg, ab.»

Robert Häne

Heute sind sie zu Zweit. Meist sind auch ihre beiden Freunde Marek Elias und Luca Grauso dabei. Und nicht nur am Samstag. Wenn viel bestellt wird, geht es auch abends ans Werk. Tagsüber gehen die jungen Männer, die sich alle im Alter um die 30 Jahre  bewegen, einer geregelten Arbeit nach; in der Gastronomie, im Verkauf, in der Versicherungsbranche und im Controlling. 

Zutaten aus der Schweiz

Der Kräuterlikör wird aus Erdbeeren aus de Thurgau, Aprikosen und Kräutern aus Ebnat-Kappel hergestellt. Wenn möglich werden nur Zutaten aus der Schweiz, besser noch regional oder lokal, verwendet, sagt Robert Häne. Zudem sollte der Kräuterlikör süss und nicht so bitter sein. Zusammen mit Masterdistillerin Judith Brunschwiler, von der Edelbrandbrennerei Brunschwiler in Oberuzwil, entwickelten die Männer ein Rezept und tüftelten solange daran herum, bis die Testpersonen die folgenden magischen Worte sprachen: «Chum, mer nend no eine.»«Bis es aber soweit war, haben wir einige Liter probiert», sagt Robert Häne lachend. Der Likör wird von Judith Brunschwiler nach diesem Rezept abgemischt und in Stahlkanistern auf den Vorderen Schönenberg geliefert.

«Mit jeder verkauften Flasche geht ein kleiner Beitrag an die Schweizer Berghilfe, die sich für lebendige Berggebiete einsetzt und damit der Abwanderung entgegenwirkt.»

Daniel Egli

Nicht nur in der Flasche steckt viel Heimat, die Liebe zum Brauchtum und zur Tradition ist auch der Flasche selbst anzusehen. Auf der schwarzen tönernen Flasche befindet sich nebst dem Gesicht des Heiligen Bernhards ein kupferfarbener Scherenschnitt. Darauf sind unter anderem die Churfirsten, Kühe, Bergblumen, ein Skifahrer und ein Gleitschirmflieger zu sehen. Tradition trifft auf Moderne. Selbst wenn der Likör einmal zur Neige gegangen ist, findet sich für die leere Flasche bestimmt eine weitere, dekorative Verwendung. «Mit jeder verkauften Flasche geht ein kleiner Beitrag an die Schweizer Berghilfe, die sich für lebendige Berggebiete einsetzt und damit der Abwanderung entgegenwirkt», sagt Daniel Egli. Er erläutert: «Wenn wir das Brauchtum und die Schweizer Tradition so hochhalten und uns so geben, möchten wir auch unseren Beitrag leisten. Das ist auch authentisch».

Jungunternehmer Daniel Egli und Robert Häne (rechts.)

Den Grundstein für dieses Projekt legten Robert Häne und Marek Elias. Während ihrer Ausbildung zu Marketingmanagern HF im Jahr 2017 schrieben sie zusammen eine Diplomarbeit unter dem Titel «Von der Schnapsidee zum Kräuterlikör». Die Idee selbst schwelte aber schon viele Jahre in meinem Kopf, sagt Robert Häne. Er, Daniel Egli, Marek Elias und Luca Grauso gründeten zusammen eine GmbH. Wir haben alle unsere Sparbücher geräumt, sagt Daniel Egli. Er zuckt mit den Schultern und meint: «Andere kaufen sich ein teures Auto, wir gründeten eine Firma.» 

Traum erfüllt

Im Januar 2019 starteten die vier jungen Männer mit dem Verkauf von Bermontis. Es war sicherlich ein aufregender Moment, als ihr Produkt auf den Markt kam? «Ich träumte davon, dass ich in einer Bar stehe und jemand neben mir Bermontis bestellt», sagt Robert Häne. Irgendwann kam dieser Augenblick. Der Jungunternehmer war so glücklich, dass er die Runde bezahlte.

www.bermontis.ch

Siehe auch Cassis aus der Ostschweiz

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